Tagebuch der Teilnehmer an der Motorrad-Pilgerfahrt "Adlergebirge"
10.08.2025 – 16.08.2025
Vortreffen am 02.08.2025 im Haus Maria Immaculata in Paderborn
Wir, Bernd und Mechthild, waren auf das Vortreffen sehr gespannt.
Als Teilnehmer der Fahrt ins Adlergebirge über Himmelfahrt nach Himmelfahrt 2025 treffen wir uns zum ersten Mal. Bernd kennt Guide Tim bereits von der Tour in die französischen Alpen, ich fahre diesmal mit für mich ganz neuen Guides.
Schon die Anreise zum Vortreffen ein Himmelfahrtskommando?
Von einer Geburtstagsfeier, die wir vorzeitig verlassen haben, damit wir pünktlich in Paderborn sein können, (den Betrieb in Paderborn wegen Libori hatten wir eingeplant, die vielen Wohnwagenfahrer, die Baustelle auf der A2 und die gesperrte Auffahrt der A42 trafen uns unerwartet), kamen wir ein wenig gehetzt eine Minute nach 14:00 Uhr auf dem Parkplatz an. Guide Tim hat uns schon an der Tür erwartet. Er hat alle verspäteten „Schäfchen“ eingesammelt. Wegen des schlechten Wetters kam diesmal keiner mit dem Motorrad zum Vortreffen.
Im Raum Ignatius (gibt es einen besseren Schutzpatron für eine Motorradreise mit Pilgern mit PS, auf der es neben guter Gesellschaft immer auch Spiritualität und geistige Impulse gibt, als Ignatius?) trafen wir mit großem „Hallo“ auf alte Hasen und Neupilger/-innen.
Die zwei Tourguides, Willi und Tim, stellten sich der Gruppe vor und dann gab es ein fröhliches Mischen der Teilnehmer, indem wir uns zu diversen Themen in aufsteigenden Reihenfolgen im Stuhlkreis, sortiert, aufstellten.
- Entfernung zum Vortreffen
- Alter der Teilnehmer
- Alter des Motorrades
- Reichweite des Tankinhaltes
- Teilnahme an Fahrten von PmPS
- Durchschnittliche Jahres-Kilometer-Leistung mit dem Motorrad
- …
Für die Vollständigkeit müssten wir Tim befragen.
Die Zimmerbelegung wurde bekannt gegeben.
Danach stellte sich jeder einmal persönlich, sein Verhältnis zu seinem Motorrad und der fahrerischen Einschätzung vor und was die übrigen Mitpilger von jedem wissen sollten.
Zur Kaffeepause mit leckerem Streuselkuchen ging es dann in den Speisesaal.
Dort konnten in 3-4er Gruppen die Gespräche in lockerer Runde fortgesetzt werden.
Anschließend stillten Willi und Tim die Neugierde auf das, was uns an Rahmenplan vom 10.08.2025 bis zum 16.08.2025 erwartet.
Die Gruppeneinteilung wurde von den Guides vorgenommen.
Bernd und ich sind mit Heike-Maria, Hubert und Pete bei Willi. Ich freue mich über die Gesellschaft einer selbstfahrenden, weiblichen Mitfahrerin und sie auch.
Danach setzte sich jede Gruppe für sich zusammen. Willi erklärte uns seine geplanten Touretappen und Routen. Die Fahr-Reihenfolge wurde festgelegt und auch das Verhalten beim Fahren in der Gruppe: Versetztes Fahren, das Verhalten zum Aufschließen, das Kurvenfahren und das Achten eines Jeden auf seinen Hintermann bzw. seine Hinterfrau.
Danach ging es in der Großgruppe weiter:
Jedem wurde ans Herz gelegt, sein Motorrad noch einmal auf Fahrtüchtigkeit, Profiltiefe der Reifen etc. zu überprüfen, da den Gefährten eine Tour von ca. 2.000 km bevorsteht.
Die einzelnen Hotels wurden vorgestellt. Neben dem täglichen Tagesablauf erhielten wir mehr Einblicke zu dem Aufenthalt in Neratov und das geplante Zusammen-Treffen mit dem dortigen Pastor, Pfarrer Suchár, der sich mit Hilfe eines Dolmetschers Zeit für uns nimmt.
Dann kreiste das Tour-Tagebuch, statt einmal rum und noch einmal zu kreisen, nimmt Bernd das Buch direkt an sich.
Als Impuls bis zum nächsten Wiedersehen, gab es einen Gedanken von Wolfgang zum Pilgern:
Was ist MEIN Pilgern, was ist meine Sehnsucht?
Ja, da ist sie wieder: die Vorfreude auf eine Reise der etwas anderen Art.
Der Startpunkt unserer Tour ist Sonntag um 09:00 Uhr an der Kapelle zur Hilligen Seele. Von dort sind wir noch nie gestartet und so freuen wir uns darauf, Neues zu entdecken mit dem vertrauten Helmkreuz. Einige reisen schon einen Tag eher an, um die Fahrt am Sonntag gemütlich zu beginnen. Wir haben uns mit Heike-Maria verabredet zur gemeinsamen Anfahrt aus dem Hochsauerland.
Zur Abschiedsrunde wurde ein frisches „Fahr mit uns“ gesungen. Wie schön, wenn selbst in einer so kleinen Runde der Gesang sicher durch den Raum schwebt. Wir freuen uns schon auf das erste Laudate omnes gentes und das Gänsehaut-Feeling.
Nach herzlicher Umarmung zieht jeder wieder seiner Wege. Auf eine entspannte und fröhliche Tour mit anregenden Begegnungen, Impulsen und Gesprächen freuen sich mit der Linken zum Gruße
Bernd und Mechthild
1. Tag - Sonntag, 10.08.2025
Erster Eintrag von TimH für die Adlergebirge-Mitreisenden
Mein erster Tag bei Pilgern mit PS und auch mein erster Eintrag in diesem Tagebuch – sehr viel Neues und eine große Portion Vorfreude.
Ich kenne die Idee des Zündfunkens bereits von meiner diesjährigen Teilnahme bei BDW – statistisch gilt das allerdings nicht als mein Tag 1, sagt man mir. Jedenfalls kann unser Zündfunke atmosphärisch nicht eindrucksvoller sein. Wir treffen uns alle an der Kapelle „Zur Hilligen Seele“. Im Innenraum wird der Altar nur durch wenige Kerzen beleuchtet. Ein besseres Bild für den Zündfunken fällt mir nicht ein.
Unsere beiden Tourguides Tim & Willi geben uns, wie schon beim Vortreffen, eine eindrucksvolle Kostprobe ihrer Vorbereitungen, Gedanken und Ideen, die sie für uns im Vorfeld gemacht haben.
Ich bin mir sicher, wir befinden uns in guten Händen, auch wenn sich „Himmelfahrt nach Neratov“ anders liest.
Der äußere Rahmen ist geklärt, jetzt geht es ums Innere. Unser Tagesgedanke dreht sich darum, was uns antreibt, was unsere Sehnsucht ist.
Erstmal musste ich heute morgen auf der sehr kurzen Anfahrt zur Kapelle feststellen, dass es quasi mein zweiter Tag der Tour ist, da ich bereits am Vortag mit Pete, Günther und Tim zu Rustemeier gekurvt bin. Das bedeutet für mich: Ich konnte dem Alltagsstress bereits am Vortag entfliehen. Mein Vorhaben, sich in der Woche Adlergebirge nur auf den Fahrer-Flow einzulassen und den Kopf abzuschalten, scheint mir mit dem Grübeln über ‚was meine Sehnsucht ist‘ nicht wirklich zu kombinieren. Andererseits weiß ich bereits über mich, dass ich mir regelmäßig Auszeiten für meine Achtsamkeitspraxis nehmen muss und dabei geht es eben auch nicht um ‚Kopf abschalten‘.
Das Fahren in meiner Gruppe geht los und um das Zitat aus diesem Tagebuch vom 25.07. aufzugreifen: Motorradfahren ist Philosophie in Bewegung. [Anm. d. Red.: siehe Schwarzwald-Tour.]
Also – jetzt geht der innere Monolog los.
Ich merke, dass es mir schwerfällt, bei mir zu sein und versuche, mich an das während des Zündfunkens Gesagte richtig zu erinnern. Beim ersten Stopp frage ich Tim. Der hilft mir, meine Gedanken nachzuschärfen. Die große Erleuchtung bleibt allerdings weiter aus. Die Gespräche in der Gruppe über das Ankommen, wann gibt es den nächsten Kaffee, wann sind wir in der Unterkunft, Fragen zu Neratov… zeigen eins: Viele beschäftigt das Ankommen. Der Wunsch, anzukommen, ist bei mir auf jeden Fall da, mit steigendem Hunger sogar hörbar.
Möglicherweise ist das ja meine Sehnsucht: anzukommen. Wofür ich paradoxerweise unterwegs sein muss, um wieder ankommen zu können. Nur dann eben etwas weiter, oder später, oder verändert.
Beruflich und privat sehe ich bei mir viele Parallelen.
Ich wünsche uns allen viel weiteres Philosophieren, Ankommen und allzeit gute Fahrt.
TimH
2. Tag - Montag, 11.08.2025
Heute ist der dritte Tag im Kreise der Pilger mit PS. Der Samstag gehört für mich fest in der Zeitrechnung dazu. Tim, Tim und Günther vorher kennenzulernen und mit ihnen nach Borchen zu fahren, war für mich ein solider Auftakt zur Tour.
Der Impuls des heutigen Tages: Weggemeinschaft.
Weg und Gemeinschaft sind Bestandteile dieses Wortes. Ich beschloss, auf der heutigen Reise mein Augenmerk auf beides zu richten. Der Weg und seine Beschaffenheit und die daraus resultierende haptische Rückmeldung am Lenker. Asphaltierte Straße, innerörtlich wohl verlegtes Kopfsteinpflaster, teilweise eine Mischform mit überasphaltiertem Kopfsteinpflaster, sowie eine Strecke durch ein Dorf mit zugehöriger Ausfallstraße, die von der Pflasterung her Mensch und Maschine einiges abverlangte und dazu führte, die Verkleidung meiner fast 30 Jahre alten Maschine später mit Kabelbindern nachfixieren zu müssen. Unter ‚Gemeinschaft‘ später mehr dazu,
Der Weg sprach zu mir in verschiedenen Formen, aber wir haben ihn gemeinschaftlich bestritten.
Gemeinschaft. Die Gemeinschaft der Pilgergruppe hat mir heute die Hilfe und Unterstützung gegeben, als ich sie brauchte. Als sich die Verkleidung gelöst hatte, war Willi sofort in der Pause mit Rat, Material und Tat zur Seite. Bernd unterstützte ebenfalls mit Augenmaß. Gemeinschaft bedeutet für mich Vertrauen, Hilfe zu bekommen, wenn ich sie benötige und dabei gleichzeitig dieselbe Hilfe anderen anzubieten. Es bedeutet auch, sich der Gruppe mit individuellen Bedürfnissen zu öffnen, Dinge anzusprechen und gemeinsam mit der Gruppe eine Lösung zu finden. Für Lösungsmöglichkeiten, tragfähige Kompromisse und Abmilderungen sollte immer Gesprächsraum in der Weggemeinschaft bestehen. Ich denke, wir haben im konkreten Fall schnell eine tragfähige Lösung gefunden und beim heutigen Nachtickern nochmal diskutiert. Gute Reflektion!
Weggemeinschaft – ich fühle mich an meiner Position 4 in der Gruppe mittlerweile sehr wohl, angenommen und getragen.
Die linke Hand zum Gruße, allzeit sichere Fahrt mit Gottes Segen!
Pete
3. Tag - Dienstag, 12.08.2025
Anfahrt nach Neratov
Einen guten Morgen in die Pilgerrunde. Unser Reisebeginn an diesem Morgen war für uns ungewöhnlich. Wir hatten Besuch zu unserem Zündfunken. Der Damenchor, der mit uns in der Unterbringung übernachtet hatte, war mit uns in die kleine Kapelle gegangen, um an unserem Zündfunken teilzunehmen. Der Pfarrer war auch zugegen und hatte sich sogar sehr feierlich angezogen.
Nach guter alter Sitte wurde das Helmkreuz auf den Kirchenboden gelegt und der Zündfunke mit Abschlusslied mit Begleitung des Damenchores begangen. Als Weggedanke für die heutige Tour wurde uns das ‚Loslassen‘ mitgegeben. Das Aufsatteln wurde diesmal mit vielen Fragen der Chordamen etwas aufgehalten. Auch Fragen nach der Technik der Motorräder wurden gestellt, was mich sehr überraschte. Mit vielen guten Wünschen werden wir auf unsere Tagestour entlassen.
Diese Tour versprach, lustig zu werden. Überschrift: Viele Wege führen zum Ziel – oder ‚über Rom nach Bottrop‘, wie meine Oma zu sagen pflegte.
Frisch und fröhlich los, stoppte uns alsbald die erste Baustelle mit Sackgasse. Umfahrung suchen, nicht finden, falsch fahren, neue Route starten… weiterfahren.
Nächste Baustelle: Sackgasse nach sechs Kilometern. Versuchen? Klar! Manche Baustellen kann man(n) durchfahren. – Glück gehabt! Die Bauarbeiter lassen uns nach Wartezeit langsam passieren. Wir sind wieder auf Strecke. Nöhöööö, doch nicht. Nächste Baustelle: rein, wenden, warten, Navi fragen. Es ist zum Mäusemelken. Aber wir finden den Weg.
Das Wetter ist so schön und die Sonne strahlt so arg vom Himmel, dass wir kleine Pausen nur im Schatten verbringen. Das Navi erkennt man im Sonnenlicht auch schlecht. Wir lernen eine nette alte Dame kennen, die -welch ein Zufall- Verwandte am Möhnesee hat und auch in Soest. Die Bitte nach einem Foto erheitert uns sehr.
Weiter geht´s in die nächste Baustelle. Eine wunderbare Umfahrung tröstet uns aber darüber hinweg. Wir sind auf dem richtigen Weg… und wir fahren.
Eine Passstraße mit tollen Kurven und herrlicher Kühle. Wir fahren nämlich durch ein Skigebiet. Das ist toll. Unten erwartet uns -wie nicht anders zu erwarten- eine Baustelle! Wir sind Profis und fahren. Wir finden den Weg. Nicht den geplanten, aber irgendwie geht es weiter. Wenden können wir ja mittlerweile, sogar am Berg auf schmaler Straße. Sogar Doppelwendungen sind kein Problem für uns.
Wir haben auf dieser Tour so einiges losgelassen, vor allem die geplanten Wege.
Wir haben losgelassen, pünktlich im Hotel in Neratov anzukommen.
Wir haben losgelassen, gemütlich eine Tasse Kaffee am Nachmittag zu trinken.
Wir konnten nicht noch mehr Zeit entbehren, deshalb nur kurze Pausen.
Nur eines haben wir nicht losgelassen:
Das Vertrauen auf unsere Gemeinschaft.
Das Vertrauen in unseren Guide.
Das Vertrauen, unser Ziel zu finden.
Ich liebe es. In diesem Sinne: gute Reise!
Heike-Maria
4. Tag - Mittwoch, 13.08.2025
Aufenthalt in Neratov
Der heutige Zündfunke findet an einem besonderen Ort statt: in der Wallfahrtskirche von Neratov.
Der Zündfunke ist besonders stark wahrzunehmen durch das Licht der Pilgerkerze aus unserer Abfahrtskapelle ‚Zur Hilligen Seele‘. Der Impuls für heute besteht aus mehreren Facetten.
Mit meinen Worten: Was treibt dich an, was ist deine Sehnsucht, wo stehst du? Tim und Willi geben uns einige Worte & Gedanken mit auf den Weg. Der Zündfunke endet mit dem Abschlusslied.
Der heimische Pfarrer Josef Suchár (der auch handwerklich tätig ist und uns im Arbeitszeug begrüßt), berichtet über die bewegte Vergangenheit und Geschichte der heutigen Wallfahrtskirche, u.a. mehrfache Zerstörung und Wiederaufbau. Beeindruckend ist u.a. das Glasdach als Verbindung zwischen Himmel und Erde. Pfarrer Suchár bringt uns das Thema Versöhnung nahe. Versöhnung nach Vertreibung bzw. Aussiedlung von Menschen aus der Region nach dem zweiten Weltkrieg. Versöhnung. Für mich ein starkes Thema.
Eine weitere Herzensangelegenheit von Pfarrer Suchár ist die Arbeit mit behinderten Menschen. Diese werden in die verschiedensten Tätigkeiten mit eingebunden, z.B. Küchendienst. Herr Pfarrer hat in seiner Heimatsprache informiert. Jakub, unser Ansprechpartner vor Ort, hat übersetzt. Danke dafür.
Mit reichlich Informationen versorgt geht es weiter zum Infocenter von Neratov. Hier erhalten wir vielfältige Informationen über die Möglichkeiten der Beschäftigung für behinderte Menschen. Neratov ist die größte Einrichtung dieser Art in der Umgebung.
Nach Gruppenfoto auf der Fußgänger-Grenzbrücke zwischen Tschechien und Polen und anschließender Brauerei-Besichtigung endet der Vormittag mit einem Mittagessen.
Der Nachmittag steht zur freien Verfügung.
Ein Besuch dieser wunderschönen, im Adlergebirge gelegenen Örtlichkeit, vor allem die Wallfahrtskirche, kann ich nur empfehlen.
Der Tageskreis schließt mit einem Besuch von Pfarrer Suchár zum Abendessen.
Für Interessierte hier z.B. eine Internetadresse: www.neratov.cz
Hinweisen möchte ich noch auf die Neratover Wallfahrt, dieses Jahr vom 15.-17.08.2025.
Allzeit gute Fahrt! Möge der Herr seine schützende Hand über uns halten!
Martin
5. Tag - Donnerstag, 14.08.2025
Von Neratov nach Vysocany, Tschechien
Liebes Tagebuch,
man kann sich über jeden Scheiß aufregen, man ist aber nicht dazu verpflichtet.
Warum dieses Intro? Später will ich es dir erzählen.
Wie jeden Tag unserer Pilgerreise begannen wir den Tag mit einem Zündfunken. Alle Helme bildeten das Helmkreuz an der Stufe zum Altarraum in der Kirche von Neratov. In unserer Mitte der Pfarrer von Neratov, Josef Suchár, und unser Dolmetscher, Jakub. In der Mitte des Helmkreuzes die Kerze aus der Kapelle zur Hilligen Seele.
Einige Pilger haben am Vorabend das „Schweige und höre“ geübt, auf dass es stimmiger werde als beim ersten Singen des Liedes. Die Verbesserung war deutlich hörbar, man ließ aber noch genügend Raum für weitere Verbesserung. Passend zur Kirche in Neratov mit dem wunderschönen offenen Dach singen wir außerdem „Der Himmel geht über allen auf“. Ich habe die zweite Kanonstimme übernommen, Stimme drei und vier blieben leider unbesetzt.
Muss man sich nicht drüber aufregen.
In den gewohnten Gruppen ging es auf die Reise. Noch vor der ersten offiziellen Pause gab es die erste inoffizielle Pause wegen einer Reifenpanne. Alle schauten interessiert zu, wie Martin die Schraube aus dem Reifen drehte und anschließend einen Propf einsetzte. Die Jägergemeinschaft spendete Luft. Keine Aufregung bei Martin, sondern Dank an TimH, der das Malheur bemerkt hatte und Martin darauf hingewiesen hatte. Nach einer halben Stunde ging es weiter.
Jedoch kamen wir wieder nicht soweit, dass Guide Tim eine Wegrandpause hätte anvisieren können. TimH war von einem Insekt gestochen worden und brauchte eine Pause. Bei einem Restaurant in einer kleineren Stadt hielten wir und nutzten die Zeit für eine Erfrischung.
Nach der zweiten ungeplanten Pause machten wir uns wieder auf den Weg. Die Sonne erwärmte Straßen und Felder, es wurde unerträglich heiß. TimH brauchte einen weiteren Notstopp. Leider befanden wir uns gerade auf einer Hauptstraße, so dass es schwierig war, einen geeigneten Anhaltepunkt zu finden, was die Gruppe auseinanderzog. Hat sich aber keiner drüber aufgeregt.
TimH und Günther beschlossen, das Hotel direkt anzufahren, während wir mit der Restgruppe von 5 Motorrädern durch die glühende Steppe weiterzogen. Bei einer Tankpause wurde das Thema Geschwindigkeit angesprochen. Ach ja, das ist ein Thema zum Aufregen.
Liebes Tagebuch, ich habe dir gar nicht erzählt, welchen Impuls uns die Guides mit auf den Weg gegeben haben. Der Impuls lautete: „Denkt mal darüber nach, was Euch geprägt hat.“
Ich könnte Dir jetzt vieles berichten, von meinen Eltern, von einer bestimmten Predigt meines Taufpfarrers, von, von, von … Wer auch immer mich geprägt hat in diesem Sinne…
Am besten zusammengefasst hat es ein Bläserwart, der von seinem Opa erzählte. Und der Opa pflegte zu sagen (du kannst es dir schon denken):
Man kann sich über jeden Scheiß aufregen, ist aber nicht dazu verpflichtet.
Wie kriege ich jetzt bloß noch die Kurve zurück zu Pfarrer Suchár?
Sein Hauptanliegen ist Versöhnung. Versöhnt Euch, wenn Ihr Euch doch mal aufgeregt habt.
Der Himmel geht über allen auf!
P.S. Beim Nachtickern ist mir klar geworden, dass ich mir den Impuls falsch gemerkt habe. Reg dich nicht auf, liebes Tagebuch, reg dich bitte nicht auf!
Das Thema war Freude, bzw. was uns erfreut hat. Mich hat erfreut, dass ich mehr als nur zwei Sätze zusammen bekommen habe.
Christof
6. Tag - Freitag, 15.08.2025
Maria Himmelfahrt 2025
Ein Feiertag – für mich ein ganz besonderer: Geburtstag und Namenstag.
Diesmal keine Feier mit der Familie. Ich bin dann mal weg – ich bin auf Pilgerreise.
Ja, ich habe mich ganz bewusst auf diese Reise eingelassen.
„Über Himmelfahrt nach Himmelfahrt.“ Der Funke hat bei der Vorstellung der Tour direkt gezündet.
Tschechien als Motorrad-Reiseziel hätten Bernd und ich uns niemals alleine zugetraut.
Ja, so kommst Du erneut zu uns, liebes Tagebuch.
Einsam lagst Du auf den Helmen vor den verschlossenen Toren einer Kirche, deren Türen von Spinnenweben so zugewachsen waren, dass schon monatelang keiner mehr Zutritt hatte.
Nachdem jeder zu seinem Helm griff, habe ich dich an mich genommen. Bernd und ich haben den Anfang gemacht und so machen wir gerne das Ende bzw. den Abschluss des Tour-Eintrages.
Wir beide können erneut sagen:
- Es war wieder eine tolle Tour mit Pilgern mit PS.
- Es waren bereichernde Begegnungen mit großartigen Menschen.
- Wir konnten erneut erfahren, wieviel man beim Motorradfahren quasi nebenbei entdeckt.
Solche Ausblicke, Gerüche, Landschaften und Begegnungen mit den Mitmenschen am Straßenrand nimmt man beim Autofahren zumeist nicht wahr.
Da steht z.B. eine magentarote Kapelle am Wegesrand. Wir sehen Menschen, die sorglos in einem Moor plantschen. Wir durchreisen einen Ort namens „Kalte Schenke“. Ein Schelm, der denkt, dass unsere Gelüste bei diesen unnatürlich hohen Temperaturen in diesem Mini-Ort gestillt würden.
Aber wer sich in Geduld übt, erreicht nach ca. 300 km das Hotel am Rennsteig. Dort bekommt jeder, wonach ihm dürstet. Der persönliche Flüssigkeitspegel musste wieder steigen. Darüber lässt sich auch wunderbar nachtickern.
Die große Frage „Was bleibt?“ steht über der gesamten letzten Woche.
Für mich auf jeden Fall: die gute Vorstellung eines Himmelskreuzes über mir in Form des Glasdaches von Neratov. Ja, da bekommt „da berühren sich Himmel und Erde“ eine ganz neue Bedeutung für mich. Der gute Herr da oben möge bitte seine schützende Hand über mich halten und mich möglichst noch lange hier unten auf der Erde lassen.
Ich lasse mich jedenfalls noch ganz lange berühren. Von ihm. Von Euch. Auf dieser Tour. Und bei hoffentlich noch vielen Gelegenheiten bei Pilgern mit PS.
Man sieht sich ja immer mehrfach im Leben.
Ihr ward eine tolle Geburtstagsgesellschaft!
Vielen Dank für alle Begegnungen mit Euch sagt, auch im Namen von Bernd,
Eure Mechthild (die von Magdeburg)
P.S.: Zur Vollendung fehlte mir in der Kirche ein gemeinsames Lied mit Pfarrer Suchár und den Besuchern: Laudate omnes gentes, laudate dominum.
6. Tag - Samstag, 16.08.2025
Heimreise
Eine Reise geht zu Ende, viele Eindrücke, Erlebnisse, Gespräche mit lieben Menschen.
Wir konnten uns aufeinander verlassen, wie bisher bei jeder Pilgern-mit-PS-Tour.
Der Vordermann guckt auf den Hintermann, man nimmt Rücksicht aufeinander, gemeinsam heile anzukommen an einem Ziel, das man sich gesetzt hat und die Erkenntnis ‚weniger kann auch mehr sein‘. Die Landschaft wahrnehmen, durch die man fährt.
Wenn Menschen sich zusammenschließen, die ähnliche Wege und Ziele haben, gibt es Gefühle und Begegnungen, die sonst nicht möglich sind.
Das Beeindruckendste dieser Tour für mich: Neratov!
Eine Kirche unter dem Glasdach, Blick in den Sternenhimmel.
Ein Ort, der mir gezeigt hat, dass man niemals aufgeben sollte und was Menschen bewegen können, wenn sie sich zusammentun.
Durchs Werratal haben wir unsere Heimreise bei 20°C angetreten. Abschluss bei der Hilligen Seele mit Willi, Christof und Martin, ein kleines Dankgebet.
Einen lieben Dank an alle Organisatoren für dieses Geschenk einer beeindruckenden Fahrt auf 2 Rädern.
Hubert












