1. Tag - Sonntag, 10.08.2025
Erster Eintrag von TimH für die Adlergebirge-Mitreisenden
Mein erster Tag bei Pilgern mit PS und auch mein erster Eintrag in diesem Tagebuch – sehr viel Neues und eine große Portion Vorfreude.
Ich kenne die Idee des Zündfunkens bereits von meiner diesjährigen Teilnahme bei BDW – statistisch gilt das allerdings nicht als mein Tag 1, sagt man mir. Jedenfalls kann unser Zündfunke atmosphärisch nicht eindrucksvoller sein. Wir treffen uns alle an der Kapelle „Zur Hilligen Seele“. Im Innenraum wird der Altar nur durch wenige Kerzen beleuchtet. Ein besseres Bild für den Zündfunken fällt mir nicht ein.
Unsere beiden Tourguides Tim & Willi geben uns, wie schon beim Vortreffen, eine eindrucksvolle Kostprobe ihrer Vorbereitungen, Gedanken und Ideen, die sie für uns im Vorfeld gemacht haben.
Ich bin mir sicher, wir befinden uns in guten Händen, auch wenn sich „Himmelfahrt nach Neratov“ anders liest.
Der äußere Rahmen ist geklärt, jetzt geht es ums Innere. Unser Tagesgedanke dreht sich darum, was uns antreibt, was unsere Sehnsucht ist.
Erstmal musste ich heute morgen auf der sehr kurzen Anfahrt zur Kapelle feststellen, dass es quasi mein zweiter Tag der Tour ist, da ich bereits am Vortag mit Pete, Günther und Tim zu Rustemeier gekurvt bin. Das bedeutet für mich: Ich konnte dem Alltagsstress bereits am Vortag entfliehen. Mein Vorhaben, sich in der Woche Adlergebirge nur auf den Fahrer-Flow einzulassen und den Kopf abzuschalten, scheint mir mit dem Grübeln über ‚was meine Sehnsucht ist‘ nicht wirklich zu kombinieren. Andererseits weiß ich bereits über mich, dass ich mir regelmäßig Auszeiten für meine Achtsamkeitspraxis nehmen muss und dabei geht es eben auch nicht um ‚Kopf abschalten‘.
Das Fahren in meiner Gruppe geht los und um das Zitat aus diesem Tagebuch vom 25.07. aufzugreifen: Motorradfahren ist Philosophie in Bewegung. [Anm. d. Red.: siehe Schwarzwald-Tour.]
Also – jetzt geht der innere Monolog los.
Ich merke, dass es mir schwerfällt, bei mir zu sein und versuche, mich an das während des Zündfunkens Gesagte richtig zu erinnern. Beim ersten Stopp frage ich Tim. Der hilft mir, meine Gedanken nachzuschärfen. Die große Erleuchtung bleibt allerdings weiter aus. Die Gespräche in der Gruppe über das Ankommen, wann gibt es den nächsten Kaffee, wann sind wir in der Unterkunft, Fragen zu Neratov… zeigen eins: Viele beschäftigt das Ankommen. Der Wunsch, anzukommen, ist bei mir auf jeden Fall da, mit steigendem Hunger sogar hörbar.
Möglicherweise ist das ja meine Sehnsucht: anzukommen. Wofür ich paradoxerweise unterwegs sein muss, um wieder ankommen zu können. Nur dann eben etwas weiter, oder später, oder verändert.
Beruflich und privat sehe ich bei mir viele Parallelen.
Ich wünsche uns allen viel weiteres Philosophieren, Ankommen und allzeit gute Fahrt.
TimH












