Neue Erfahrungen für Gashand, Geist und Seele

Pilgern mit PS, Helmkreuz am Morgen vor dem Zündfunken
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2026 | Korsika | Tour-Tagebuch

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Tagebuch der Teilnehmer an der Motorrad - Pilgerfahrt "Korsika 26"

13. – 28.6.2026


Samstag, 9. Mai 2026
Das Vortreffen am Möhnesee

Die Vorfreude auf unsere Motorradtour nach Korsika war bereits spürbar, als wir uns am 9. Mai 2026 im Heinrich-Lübke-Haus (HLH) am Möhnesee zum Vortreffen versammelten. 
Für mich war es bereits die vierte Reise mit Pilgern mit PS, und so traf ich einige vertraute Gesichter wieder. Andere Teilnehmer kannte ich noch nicht, was die Spannung auf die bevorstehende gemeinsame Zeit zusätzlich erhöhte.
Insgesamt werden 19 Motorradfahrer:innen unterwegs sein: 
die drei Tourguides Conny, Tim und Mike sowie 16 weitere Teilnehmer. 
Nicht alle konnten persönlich zum Treffen erscheinen. Für sie stand jedoch jeweils ein Foto auf dem Stuhl, sodass auch sie symbolisch Teil unserer Runde waren.

Nach der Begrüßung folgte eine Vorstellungsrunde. Jeder erzählte ein wenig von sich, seiner Motorraderfahrung oder seinen Erwartungen an die Reise. Man spürte schnell: Die Vorfreude auf Korsika verband uns alle.
Ein besonderer Moment war die Auslosung der Gruppen. Dabei wurde entschieden, wer mit welchem Tourguide unterwegs sein würde und welche Teilnehmer:innen gemeinsam eine Gruppe bilden. Anschließend machten sich die Guides Gedanken darüber, welche der ausgelosten Gruppen sie übernehmen möchten. So nahm die Reise langsam konkrete Formen an.
Während des gesamten Treffens lag eine erwartungsvolle Stimmung in der Luft. Die Insel Korsika rückte mit jedem Gespräch ein Stück näher, und die ersten Kontakte innerhalb der Gruppen wurden geknüpft.
Zum Abschluss versammelten wir uns noch einmal gemeinsam und sangen „Laudate Omnes Gentes“. Das Lied verlieh dem Treffen einen besonderen, beinahe feierlichen Charakter. Es war ein schöner Ausklang eines Nachmittags, der nicht nur der Organisation diente, sondern bereits Gemeinschaft entstehen ließ.

Mit vielen neuen Eindrücken, wachsender Vorfreude und der Gewissheit, bald gemeinsam unterwegs zu sein, machten wir uns schließlich wieder auf den Heimweg.

RalfK

 

1. Tag - Sonntag, 14.06.2026

Vom Aufbrechen und Loslassen

Heute Abend fällt es mir schwer, das Tagebuch zu schreiben. Ich bin aufgewühlt und weiß gar nicht so recht, wie ich die Zeilen im Buch füllen kann.
Mich hat das Thema des ersten Zündfunkens im Hotel Ochs in Schmitten heute voll erwischt.
Aufbrechen…. sich auf den Weg machen, gemeinsam unterwegs sein, mit all dem Ungewissen, den Unsicherheiten, aber auch dem Schönen, den neuen Erfahrungen, der Neugier. Was wird uns auf unserer gemeinsamen Reise nach Korsika begegnen? Mit der Freude auf das, was da kommen mag.
Mit jedem Aufbrechen ist auch ein Abschiednehmen verknüpft.
Von Markus, Martin und Bernd, die uns ein Stück unseres Weges begleitet haben und uns mit Segen beglücken. Abschied nehmen von dem Gewohnten, dem Alltäglichen, der Arbeit und der Familie.
Wir brechen auf. Alles läuft gut. Meine Gruppe fährt sehr homogen, mein Motorrad läuft prächtig und ich erfreue mich an dem Wind, der um meine Nase weht.

Wir machen Tempo auf der Autobahn, um schneller ans Ziel zu gelangen. Bis… ja bis mein Motorrad an Energie verliert. Ich versuche, den Energieverlust auszugleichen und schalte einen Gang runter. Aber es reicht nicht aus. Es reicht nicht! Ich muss am Autobahnrand anhalten. Der Adrenalinspiegel steigt. War das jetzt das Ende?
Zum Glück haben Dirk und Wolfgang rechtzeitig reagiert und sind mit mir am Rand stehen geblieben. Ein kurzer Check-up, aber es war klar: ich muss den ADAC einschalten und mich abschleppen lassen.
War es das jetzt? War meine Reise nach Korsika hier an diesem Punkt zu Ende?
Traurigkeit schoss in mir auf. Sollte jetzt meine Pilgerreise hier auf diesem Abschnitt enden? Das kann doch nicht mit Loslassen gemeint sein!

Erstmal sammeln und nach möglichen Lösungen suchen.
Abschleppen – aufgeben – heimfahren – Auto holen und nachkommen – mitfahren – aber wie?

Die Gruppe trägt mich. Ich bin sehr dankbar dafür!
In einem Gespräch mit Conny und Wolfgang ergibt sich die Möglichkeit und Lösung, zunächst mit ihm und später mit Conny mitzufahren, das Gepäck aufzuteilen und auszuprobieren, wie eine gemeinsame Reise funktionieren kann.
Im Hier und Jetzt wird mir mit PmPS wieder ganz klar und deutlich, wie sehr ich die Gemeinschaft, das Füreinander-Einstehen, das Miteinander-Teilen, das Füreinander-Dasein, liebe und schätze!
Wie besonders es für mich ist, mit Euch unterwegs zu sein.

Danke Wolfgang,
Danke Conny, Dirk, Sabine und Joachim (der sooo lange gewartet hat).
Ihr seid großartig!


SabineD

 


2. Tag – Montag, 15. Juni 2026
Von Wutach, Ewattingen, nach Druogno, Italien

Wir starten mit dem Zündfunken auf dem Parkplatz vorm Hotel.
Unser Impuls für heute:
Herausforderungen!
Welche Herausforderungen habe ich heute? Was ist am Abend daraus geworden?
1. Herausforderung:
Ein Geburtstagsständchen im Kanon für Gudrun, die leider nicht dabei ist.
2. Herausforderung:
Was zieht man an? Die Sonne scheint schon kräftig, aber wir fahren heute über einige Pässe in der Schweiz. Da liegt zum Teil noch Schnee. Die Temperaturen schwanken von 13°C bis 32°C.
Ich war eindeutig zu warm angezogen.
3. Herausforderung:
… vor allem für die Guides: Die lange Strecke, Geschwindigkeit einhalten in der Schweiz und alle heil nach Italien bringen.
Meine Herausforderung:
Ich fühle mich total schlapp, etwas erkältet und komme teilweise kaum vom Motorrad.

Nach 354,3 km sind wir alle ziemlich geschafft, aber froh und stolz, dass alle gut angekommen sind.
Ich lasse den Abend ohne Essen im Bett ausklingen.
Heute Abend geht es auf die Fähre nach Korsika und neue Herausforderungen warten.

Danke, dass ich dabei sein darf!

ReginaK

 


3. Tag – Dienstag, 16.06.2026
Auf dem Weg nach Korsika!

Unser Zündfunke heute morgen regt uns an, an diesem Reisetag einmal Begegnungen bewusst wahrzunehmen.
Nachdem wir unseren Reisesegen empfangen haben, sitzen wir auch schon in den Sätteln und rollen los. Es geht direkt in die dicht bewaldete Bergwelt um Druogno auf winzig schmalen, dreidimensional gewundenen Sträßchen hoch hinaus auf lichte Höhen und tief hinab in enge, düstere Täler mit grobgerölligem Grund – ein interessanter und reizvoller Gegensatz zu den zahlreichen Passstraßen des gestrigen Tages. Die hatten mich sehr lange beansprucht, weil ich beim Freifahren vom rechten Kurs abkommend erst spät in unserer Bleibe ankam.

Als ich schon ein wenig des Kurbelns müde einen der letzten Pass-Tunnel durchfuhr, wehte mir die warme Luft des näherrückenden Südens entgegen und trug mir einen süßlich-schweren Duft in die Nase – zunächst nicht zuzuordnen und eher unangenehm, etwas an Verwesung erinnernd. Aber nach den knapp 10°C auf den diversen Passhöhen war mir die Wärme willkommen und der Rest dann nicht so wichtig, zumal die Nase solche latenten Düfte ja recht schnell ausblendet.
Heute dann auf den ersten Kilometern erkannte ich erst die Quelle dieses Duftes – unzählige junge & alte, kleine & große, in voller Blüte stehende Edelkastanien, die hier die Landschaft bereichern. Deren Blüten verströmen über mehrere Wochen einen sehr schweren, sehr süßen, intensiven Duft, der in der Insektenwelt offenbar sehr beliebt ist, bei uns Menschen allerdings widersprüchliche Assoziationen wachruft. Wie dem auch sei – es ist eine Art ‚innere Begegnung‘, nämlich das Zusammentreffen einer Duft-Erinnerung mit einem Pflanzen-Bild. Und diese Begegnung führt zu einer „Erkenntnis“.

Nach einigen schönen Runden durch diese Landschaft blieb uns dann aus geografischen Gründen die Querung der Po-Ebene nicht erspart; eine Landschaft mit schnurgeraden Straßen, sehr wasserreich und flach wie ein Pfannekuchen, scheinbar bestens für den Reisanbau geeignet – aber eben nicht zu Globalisierungszeiten. Wir sehen zwar viele bebaute Reisfelder und können das Getreide riechen, aber wir sehen auch viele leerstehende und zerfallene Verarbeitungsbetriebe, Gehöfte und Wohnhäuser, ganz offenbar kennt man auch hier den Begriff des ‚Strukturwandels‘.
Großes Aufatmen dann, als wir den südlichen Rand der Po-Ebene und damit wieder hügelige und bewaldete Regionen erreichen – mit Obst- und Weinanbau, Nussbäumen und offensichtlich gut situierten Gehöften und Dörfern.

In einer Café-Bar machen wir wieder Rast, die wir uns bei zeitweise 33°C und nach zahllosen, öde langen 50er- und 70er-Zonen wohlverdient haben. Es gibt köstlichen Kaffee und köstliches Nusseis und die Wirtin gibt sich redlich Mühe, aus meinem eher unitalienischen Gestammel herauszuinterpretieren, was denn wohl unser Anliegen sei und letztlich hat sie es geschafft. Sie bleibt auch angesichts unserer umfangreichen Inanspruchnahme ihrer kleinen Terrasse freundlich und zugewandt. Die zweite menschliche Begegnung heute, die uns mit großer Freundlichkeit und viel Verständnis zur wohltuenden Abkühlung an einem Tag verholfen hat, der nicht nur thermisch, sondern zeitweise auch mental etwas zu hitzig war.

Wir befahren nun noch viele kleine, unglaublich gewundene Sträßchen, die als Höhenwege wunderschöne Ausblicke ins grüne, hügelige Umland bieten. Schließlich reift die Erkenntnis, dass die Zeit wohl doch knapp wird – gastronomische, astronomische, astrologische oder elektronische Probleme beim Navigieren führen zu zahlreichen Zwischenstopps, die die Nerven schwingen lassen – und schließlich haben wir den Fährhafen erreicht, bekommen von der an der Einfahrt wartenden Conny (DANKE!) die Fahrscheine inklusive letzter Anweisungen zugesteckt und können direkt an Bord fahren.
Dort bekommen wir im Gehen unsere Kabinenschlüssel und kaum ist der letzte Tropfen Duschwasser im Badetuch versickert, gibt´s auch schon ein opulentes Abendessen, was nach meinem Eindruck alle gut gebrauchen konnten.

Essen gut – alles gut. So hat auch dieser Tag, der in den Höhepunkt unserer Korsika-Erwartungsspannung kumulierte, ein gutes Ende gefunden.

MatthiasK

 


4. Tag - Mittwoch, 17.06.2026
Etappe von Bastia nach Saint Florent

Die Nacht auf der Fähre war kurz, viel zu kurz. 5:30 Uhr Zimmer verlassen und zum Frühstück an Bord gehen. Der Zündfunke fiel kurz aus, weil das Motorengeräusch der Fähre alles übertönte. Der Aufruf, endlich zu unseren Moppeds zu dürfen, war sehr erlösend. Die Aussicht auf das „Abenteuer Korsika“ ließ sich erahnen, nach dem Blick auf die Insel von der Fähre aus!

Runter von Bord, tanken, kurze Besprechung, und – wie der Sauerländer zu sagen pflegt – „nuff, nuff auf’n Berg“.
 Die Straße ist sofort kurvig und der Ausblick von einem Aussichtspunkt ist sofort atemberaubend. Im frühen Morgendunst sieht das Schiff auf dem Meer unter uns ‚unwirklich‘ aus.
Unbeschreiblich und nur mit dem Herzen zu sehen.

Runter vom Berg = Kurve an Kurve. In einem kleinen Ort machen wir Kaffeepause und im kleinen Supermarkt daneben versorgen wir uns mit Obst und Wasser. Danach geht es weiter an der Küstenstraße entlang. Zwischendurch kleine Abstecher auf noch kleineren, engeren Straßen, die allerdings, wie sollte es anders sein, ganz kurvig sind. An den Straßenrändern begegnet uns… Achtung - Insider: „Schmetterlingskonfetti“. An der Küstenstraße begegnet uns das Dorfleben, immer durch dicke Schweller und 30er-Zonen zu erkennen. Ein Gewusel von Autos, Rollern und Menschen, die be- und entladen.

Am frühen Vormittag macht sich die kurze Nacht bemerkbar und es gelüstet uns nach Pause. Erst füllen wir unseren Wasserhaushalt auf, dann hat Daniela zu Fuß ein kleines Restaurant entdeckt, was zum frühen Mittag bereits die Küche geöffnet hat. Das war richtig und wichtig. Eine ausgedehnte Pause mit lecker frischem Salat hat uns für die Weiterfahrt gestärkt.
Wir sind weiter auf der Küstenstraße entlang… und Tim wäre nicht Tim … hätte er nicht das eine oder andere Wegstück extra kurvig geplant. Sozia steigt ab und mit Rückwärtsgang und Rangieren kommt auch unser größtes Mopped um die Kurve. Toll!

Am Ende des Tages, und es war ein frühes Ende – wir sind nämlich ausnahmsweise die erste Gruppe, die am Hotel ankommt – haben wir den ‚Finger‘ komplett umrundet, was bei uns fast zu einer ‚Kurvenallergie‘ geführt hat. Aber nur fast! 
Am Hotel angekommen, haben wir den Pool in Anspruch genommen und uns auf Normaltemperatur abgekühlt.

Vielen Dank für diesen, alle vergangenen und alle noch kommenden Tage!
Pilgereindruck von

Heike-MariaW

 


5. Tag - Donnerstag, 18.06.2026

Vom Hotel Thalassa in Saint Florent zum Hotel Stella Marina bei Serriera

Abfahrt am Hotel ohne Zündfunken: Das geht ja gar nicht!
Doch, das geht, denn der Ort für den heutigen Zündfunken soll die ‚schwarz-weiße Kirche‘ auf Korsika sein, deshalb erst einmal eine halbe Stunde Fahrt bis dahin. Unsere Gruppe macht sich zuerst auf den Weg, bis zu einem Abzweig, bei dem offensichtlich wird, dass unser letzter Fahrer plötzlich nicht nachgekommen ist. Zum Glück nichts passiert! Nur der Deckel vom Topcase war nicht zu! Das war schnell behoben und alle sind pünktlich an der Kirche angekommen.

Beim Zündfunken ging es um das Bild einer Schale, der Schale der Liebe, die erst gefüllt sein sollte, bevor sie überläuft und man etwas abgeben kann. Wenn meine eigene Schale nicht gefüllt ist, dann kann ich auch nicht hilfreich für Andere sein. Erst wenn meine Schale voll ist und überläuft sollte ich anderen etwas abgeben und gut sein. Wenn aber meine Schale nicht voll ist und es mir schlecht geht, dann kann ich auch nicht hilfreich für Andere sein.
Kann ich hier auf Korsika, beim Motorradfahren, meine Schale füllen?
Eine Frage, die ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantworten kann.

Noch etwas zur Strecke von heute: 
Nach anfänglich zähem Verkehr mit LKWs auf der Strecke kam plötzlich ein Abzweig, ab dem wir keinen anderen Verkehrsteilnehmer trafen, außer zwei Radfahrern, die sich am linken Straßenrand gerade die Trinkflaschen an einer Quelle füllten.
Wir schraubten uns Kilometer um Kilometer weiter in die Berge und konnten in den Kurven schwelgen. Dann kam tatsächlich ein Ort! Warum lassen Menschen sich hier nieder? Gut jedenfalls für uns, sonst gäbe es die Straße nicht. Auch nach dem Ort ging es wunderschön weiter, noch bis zum Talabschluss des Asco-Tals.
Dort haben wir köstlich gegessen: Korsische Cannelloni mit einheimischer Käse-Kräuter-Füllung. Sehr zu empfehlen!

Dann: gleiche Strecke runter wie rauf, aber zwei unterschiedliche Eindrücke und Ausblicke. Jetzt hatte uns die Hitze wieder. Wir beschlossen, so schnell wie möglich zum Hotel zu fahren. Aber eine doch sehr lange Strecke mit schlechtem Asphalt kostete Zeit, Kraft und Nerven!
Das letzte Stück, nochmals fast 50 km, ging es dann zwar wieder auf besserem Asphalt voran, aber eben auch sehr kurvig.
Dann endlich späte Ankunft am Hotel (ca. 18 Uhr). Alle in unserer Gruppe waren froh, heile angekommen zu sein. Es war ein toller Fahrtag!

Eine andere Gruppe war schon da, aber die dritte fehlte noch. Wir wussten schon, dass etwas passiert war, aber mit viel Glück im Unglück sind die Mitpilgerinnen und Mitpilger dieser Gruppe letztendlich auch noch heile angekommen. Nur ein Motorrad musste zurückgelassen werden. Für die Besitzerin wird die Pilgerreise wohl hier enden. Sehr schade!

Ich drücke uns allen die Daumen, dass nicht noch mehr Unglücke passieren!

The heat goes on!

DirkJ

 


6. Tag – Freitag, 19.06.2026
Serriera, Korsika

Das Kreuz für den Zündfunken bilden heute nur 13 Helme. Der Impuls ist Zuflucht.
Wo finde ich Zuflucht? Warum bleibe ich?
13 Helme deshalb, weil wir heute am zweiten Tag frei haben. Natürlich gibt es auch Fahr-Angebote der Guides. Mit SabineS und Matthias entscheiden sich Klaus und ich, Tims Kilometer-Sparversion nach Cargèse anzunehmen. Nicht mehr als 100 km sollen es werden.
Für Tim heißt das raus aus der kurzen Hose und rein in die Motorradkleidung. Los geht´s!

Über Kurven möchte ich mich nicht auslassen und auch nicht über die Hitze. Da haben wir sowieso keinen Einfluss drauf. Aber Korsikas grandiose Landschaft, die hat es mir angetan. Auch heute wieder. Über Porto mit seinem berühmten Genueserturm gelangen wir zu den Calanches de Piana. Am liebsten möchte man überall anhalten und einfach nur staunen, aber die Parkbuchten sind rar. In den von der Zeit zerfressenen roten Felsen der Steilküste erkennt man mit etwas Fantasie allerlei Figuren. Als Sozia habe ich ja das Privileg, den Blick mal etwas länger schweifen lassen zu können.

Bald ist Cargèse erreicht. Was es mit den zwei katholischen Kirchen auf sich hat, wissen wir von Tims morgendlichen Ausführungen. In der Église Grecque beeindrucken uns besonders die vielen Ikonen mit ihrem strahlenden, goldenen Hintergrund. Ein kurzer Fußweg führt uns zur genau gegenüberliegenden Kirche Mariä Himmelfahrt des lateinischen Ritus.
Auf die Kirchenkultur folgt die Kaffeekultur. Und nicht nur der schmeckt in dem netten Lokal bei der Kirche, sondern auch das Maroneneis. Da uns die Calanches auf der Herfahrt so begeistert haben, beschließen wir, denselben Weg zurückzufahren, um Gelegenheit für einen Fotostopp (früher nannte man den AGFA-Stop) zu haben.

Wie bekomme ich jetzt im wahrsten Sinne des Wortes die Kurve zum Zündfunken?
Für mich jedenfalls muss Zuflucht kein fester Ort sein. Da, wo meine Lieblingsmenschen sind, dort finde ich Zuflucht. Und deshalb bleibe ich dort.

Christel

 


7. Tag - Samstag, 20.06.2026
Quenza/Korsika

Heute fahren wir von Serriera nach Quenza. Wir verlassen den Westen und fahren in den Süden der Insel. Auf der Fahrt Richtung Marignana passieren wir das Tal der roten Felsen. Die Weite beeindruckt mich sehr. Bei angenehmen 28°C lässt es sich am Morgen immer sehr entspannt fahren.

Bis nach Bastelica fährt sich alles normal, aber dort ist ein Menschenauflauf, was uns komisch vorkommt. Wir werden durchgewunken und plötzlich kommen uns kleine Rennwagen entgegen. Früher hatte ich solche Wagen als Matchbox-Autos zum Spielen. Also: wir sind mitten in einem Autorennen gelandet! Es kommt uns komisch vor, dass wir durchgelassen werden – aber da sind wir auch schon gestoppt und in eine Umleitungsstrecke geschickt. Aber auch die fahren wir nicht zum Ende, denn Mike kommt uns entgegen und wir erfahren, dass die Strecke am Ende auch dicht ist. Also alles wieder retour. Naja, dann fahren wir die schöne Strecke eben nochmal.
Zwischendurch geht es auch mal schneller auf größeren Straßen vorwärts. Es macht auch mal richtig Spaß, mit Speed durch die langen Kurven zu fahren.

Zum Thema Zuflucht fällt mir auf der Fahrt noch ein: Haben die Einheimischen Ihre Dörfer so hoch in den Bergen angesiedelt, weil sie Zuflucht vor etwas gesucht haben, oder sind sie dort einfach wegen der grandiosen Aussicht sesshaft geworden? Einfacher wäre es doch, im Tal zu wohnen, oder? 

So, nun sind wir auch schon in Quenza angekommen und freuen uns, gesund und munter wieder einen sehr schönen Tag erlebt zu haben.

Liebe Grüße

WolfgangH

 


8. Tag - Sonntag, 21.06.2026
Quenza/Korsika

Heute haben wir einen Ruhe- bzw. Unruhe-Tag eingelegt.
Nach einem entspannten Frühstück haben wir um 10:30 Uhr die heilige Messe besucht, auf Französisch. Meine französischen Kenntnisse sind dadurch nicht wirklich besser geworden.

Nach einer kurzen Zusammenfassung und Übersetzung der Homilie (Predigt) durch Conny und Tim folgte das Tagebuch. Danach machte sich eine Gruppe mit den Motorrädern auf den Weg. Die anderen haben den Frühschoppen bei Cappucino, Wasser, Bier und anderen korsischen Spezialitäten unter einem schattigen Baum genossen.
Der Nachmittag wurde für Entspannung oder Wanderungen in der näheren Umgebung genutzt.

Mike war sehr erfreut, dass eine Gruppe an einem Sonntag eine passende neue Batterie für sein Motorrad mitbringen konnte.
Den Abend haben wir dann bei leckerem Essen unter einem Kirschbaum ausklingen lassen.

Übrigens: der 21. Juni ist Sommersonnenwende. Ab heute werden die Tage wieder kürzer.

MichaelK

 


9. Tag – Montag, 22.06.2026

Heute, am 22.06., ist mir das Tagebuch zugefallen bzw. habe ich es ergriffen.
Es ist der letzte Tag im Hotel „Sole e Monti“, also nochmal Rundfahrtag bzw. ein Tag zur freien Verfügung. Diesmal wähle ich Tim als Tourguide, denn es geht nach Bonifacio, der südlichsten Stadt auf Korsika, ein Touristen-Hotspot.

Hier ein kleiner Exkurs zum Namen K o R S I K A
Wie der Buchstabe „K“ schon erahnen lässt, geht es hier um Kurven, und das tausendfach!
Das kleine „o“ steht für ‚ooooh, wie beeindruckend‘! Eine Insel von purer Schönheit. Was die Natur uns hier so alles bietet ist einfach ‚wow‘!
Das „R“ steht für die vielen Rennradfahrer, die sich hier durch die Berge mühen. Hut ab, was die so draufhaben!
Das „S“ steht ganz sicher für die Schönheit und Vielseitigkeit von Korsika.
So bleiben noch die Buchstaben „i – k – a“. Hier mag sich jede(r) von Euch einen eigenen Reim darauf machen.

So, nun aber zurück zum eigentlichen Fahrtag.
Wir fahren in der Gruppe mit Tim & Daniela, als zweites Michael & Regina, danach Klaus & Christel, und zum Schluss die beiden Wolfgangs solo.
Nach zahlreichen Kurven, rauf und runter, und schönen Ausblicken erreichen wir schließlich Bonifacio. Es gibt hier sogar besondere Abstellbereiche, die nur für Motorräder vorgesehen sind, und das in üppiger Zahl. Tim hat sogleich fünf freie Plätze für uns ergattert – zum Glück: es waren die letzten!
Wir ziehen uns kurz etwas Luftiges an (geschwitzt haben wir ja genug), und machen uns auf den Weg zum Zentrum. Wir genießen herrliche Ausblicke auf das wirklich blaue Meer, eindrucksvolle Felsformationen und schöne Strände. Im Hafen liegen Boote und Yachten unterschiedlichster Größe, schon alles sehr beeindruckend.
Nach der Besichtigung zweier Kirchen erreichen wir das Zentrum. Es ist Mittagszeit und wir wollen etwas essen. Der Duft von Wildschweinbratwurst ist schon recht verlockend. Doch hier zeigt Daniela ihr Talent als wahre Fremdenführerin: Sie treibt uns weiter, scheinbar sucht sie ein bestimmtes Restaurant. Doch – dort ist leider alles voll.
Wir gehen weiter und landen schließlich in einem kleinen Gastraum mit herrlichem Meerblick. Der Balkon ist leider schon besetzt, teils mit Gästen, teils mit Möwen, die unter großem Geschrei auf Essensreste lauern. Ein Kellner stellt direkt für uns 8 Personen die Tische zurecht. Sehr freundlich. Die Speisekarte kreist. Dank der Übersetzungs-App von Klaus kann auch ich die Speisekarte lesen.
Erst jetzt wird mir klar, dass ich heute in die Gruppe der Muschelesser geraten bin.
Nur Regina, WolfgangH und ich entscheiden uns für Bruschetta. Wir möchten nur eine Kleinigkeit. Wie sich nachher herausstellt: eine weise Entscheidung, da fünfmal riesige Muschelportionen serviert werden. Ihr hättet mal vor allem Danielas Blick sehen sollen, als die Muscheltöpfe auf den Tisch gestellt wurden! So habe ich sie noch nicht strahlen sehen, so nach dem Motto „Ein Traum (IHR Traum) wird wahr!“.
Es war wohl richtig lecker, denn von Allen wird alles restlos verputzt. Selbst unsere Bruschetta war mit dem Essen beim heimatlichen Italiener nicht zu vergleichen.
Wir trafen sogar noch Sabine, Anne und Achim, hier auch nochmal zumindest zwei Muschelfans.

Nach abschließendem Bummeln durch kleine Lädchen mit zugehöriger Souvenirjagd erreichen wir unsere Motorräder und machen uns auf den Heimweg. Wieder schöne Kurven, tolle Landschaft und viel warm.

Kurz vor dem Hotel treffen wir auf Mike und Matthias. Oh Schreck. Warnblinker an.
Die Kawa von Mike wird teils gezogen, teils geschoben, wie ein störrischer Esel. Das ist die Karre auf dieser Tour aber wirklich! Erst die Batterie – jetzt der Gaszug. Lieber Mike, lass den Kopf nicht hängen, es kann nur besser werden, vielleicht in Form einer „Z 900 RS“.

So, liebes Tagebuch, das war mein Eintrag auf der Korsika-Tour 2026.

WolfgangE

 


10. Tag – Dienstag, 23.06.2026, HEUTE!

Ich weiß nicht, was für ein Tag ist. Die Zeit ging mir am ersten Tag auf Korsika verloren. Und ich bin ja nicht alleine…
Also, es geht vom Berghotel in Quenza zum Strandhotel in San Nicolao!
Der Zündfunke ist für 9 Uhr angesagt, somit können wir uns beim Frühstücken etwas mehr Zeit gönnen.
Durch unseren aktuellen Zwischenfall müssen erstmal alle organisatorischen Punkte geklärt werden.

Tim zitiert Papst Leo XIV. und gibt uns die Impulsfrage:
Hast Du auf Korsika eine Einsicht gewonnen, die etwas verändern könnte?

Durch die vielen Ereignisse auf dieser Reise drängt sich mir der Gedanke auf, dass ich Pilgern eigentlich mit guten Gesprächen, Begegnungen und dem Alleinsein unterm Helm verbinde, um meine Gedanken neu zu sortieren und ggf. etwas Gutes aus der Reise mit nach Hause zu nehmen!
Bei dieser Reise fehlt mir vor allem das Nachtickern; Gespräche über Gott und die Welt, wie man so schön sagt.

Ich habe also für mich die Einsicht gewonnen, dass ich genau DAS vermisse. Aber, … ob diese Einsicht eine Veränderung hervorruft? Und, … kann ich was dazutun? Ich werde mein Bestes geben!

Nun zum Tourtag: Mit den Pilgern auf Safaritour im korsischen Zoo!
Unsere Tour beginnt, und wie soll es auf der korsischen Insel anders sein: es schlängelt sich eine Kurve nach der anderen durch die wunderschöne Landschaft. Berge, Dörfer, Täler und Gerüche begleiten uns nun schon vom ersten Tag an auf der Insel Korsika.
Der intensive, würzige Duft der Macchia!
Wir werden durch einen riesengroßen Kräutergarten geführt. Die frischen Düfte von Rosmarin, Thymian, Minze, Curry, Kokos, Salbei, Pinie, Kastanie und der intensive Duft von Blumen und Pflanzen fliegt uns jeden Tag durch den offenen Helm in die Nase!
Das es wieder, warum ich so gerne Motorrad fahre.

Ich bin dankbar für jeden einzelnen Moment, den ich mit Euch auf dieser Insel teilen durfte!
Die vielen besonderen Tiere, die uns überwiegend brav beim Vorbeifahren zuschauen. Schmetterlinge, die von uns durcheinandergewirbelt werden, und die große Schweinefamilie, die mit ihrem kompletten Nachwuchs auf dem Weg zur Futtersuche ist. Ein wildes Rindvieh, dass sich sehr von uns bedroht fühlte – oder war es umgekehrt?

All diese Begegnungen gibt es nur auf dieser Reise, weil fast fremde Menschen auf gemeinsame Reise gehen. Und nie werden wir so wieder zusammen sein wie jetzt.
Also nutzen wir die Zeit, die wir gemeinsam uns schön machen können, denn da haben wir Einfluss drauf.

Gruß, SabineS

 


11. Tag – Mittwoch, 24.06.2026
Von San Nicolao zur Fähre nach Bastia

Letzter Tag auf Korsika.
Wir starten mit dem Zündfunken vor dem Hotel. Einige haben schon einen Sprung ins Wasser am hoteleigenen Strand gemacht. Sehr angenehm, denn das Thermometer steigt schon wieder.

Der Impuls für heute: Welche Eindrücke von Korsika bleiben? Was nehme ich mit?

Unser erster Stopp ist ein Supermarkt, um die Wasserreserven aufzufüllen. Einige Kreisel später fehlen die beiden letzten Motorräder, da sie nicht mitbekommen haben, dass wir nach links abgebogen sind. Nach einem kurzen Telefonat sind sie schnell wieder eingefangen.
Nächster Stopp: die Klosterruine, wo die erste korsische Verfassung unterschrieben wurde.
Im zweiten Weltkrieg von Italienern als Munitionslager benutzt, 1943 dann von den deutschen zerstört. Man kann noch gut die gestalteten Seitenaltäre erkennen. Erstaunlich, wie viel nach so langer Zeit noch übrig ist. Weiter geht es bis zu einer Kaffeepause, die wir gleich zum Tickern nutzen.

Was alle mitnehmen sind die Hitze und die nicht enden wollenden Kurven in allen Varianten.
Die verschiedenen Landschaften sehen wir bei der Fahrt entlang der Westküste und dann der Ostküste. Manche Wegpunkte haben wir bereits an den ersten Tagen gesehen. Nun von der anderen Seite. Erinnerungen werden aufgefrischt.

Ein bleibender Eindruck, nicht nur bei mir, wird das Ave Maria nach dem Gottesdienst am Sonntag bleiben. Auch wenn es französisch gesungen wurde, was ich leider nicht verstehe, ging es tief ins Herz. Vieles muss sicher noch sacken. Aber die Personen, mit denen wir unterwegs waren, bleiben sicher immer mit dieser Reise verbunden.

Alle sind pünktlich an der Fähre, allerdings müssen wir noch etwas in der Sonne schmoren, bevor wir nach der Einfahrt Zimmer beziehen und duschen, dann gemeinsam zu Abend essen.
Der Abend klingt zügig aus, da um 5 Uhr die Kabinen schon wieder geräumt sein müssen.

Auf eine gute Heimfahrt,

ReginaK

 


12. Tag – Donnerstag, 25.06.2026
Hotel Grimsel in Obergoms

So, Tagebuch, jetzt haben wir uns auf dieser Pilgerreise doch noch gefunden – plötzlich und unerwartet. Gemeinsam geht´s nach Genua.
Genua? Wieso Genua?
Das ist eine längere Geschichte, die hier schon an verschiedenen Stellen angedeutet wurde. Aber wichtig ist, dass ich weiter auf meinem Weg bin, wenngleich auch aktuell ohne Motorrad.

Der heutige Tag begann bereits um 4:15 Uhr auf der Fähre und dann ging alles doch recht fix. Wecker – Aufstehen – Frischmachen – Wachwerden – Kabine räumen – Frühstück – Offboarding…. Sammeln und Zündfunken auf dem Festland. Dieser wurde um 2 Stunden vorgezogen (von 9 Uhr auf 7 Uhr).

Conny (und ihre Gruppe) hat mich nach 2 Tagen Soziusfahrt in Savona am Bahnhof „ausgesetzt“ und für mich ging die Tagesreise alleine weiter – fühlte sich komisch an, schlagartig temporär ‚entgruppt‘ zu sein, auch wenn ich mir sicher sein darf, dass ich nicht alleine bin.

Im Nachgang betrachtet ist es schon spannend, wie schwer ich mich tue, in einem fremden Land ohne dessen Sprachkenntnisse zurechtzukommen. Es geht doch hier nur um Zugfahren! Gewohnte Praxis reicht da einfach nicht, denn diverse Anzeigen wiesen mir einfach nicht den rechten Weg und nach der ein und anderen Schweißattacke halfen dann nur die Sprache mit Händen & Füßen und dem passenden, willigen Gegenüber, doch letztlich bin ich wohlbehalten gegen 10:00 Uhr mit Zug, Bahn und Füßen beim Autovermieter am Flughafen zu Genua angekommen.

Und dann hieß es: WARTEN bis mind. 15:30 Uhr, da kein Auto früher verfügbar sei, welches nach Deutschland fahren dürfe. Eine lange Zeit.
Aber: think positive und… schon um 12:00 Uhr bekam ich doch schon einen FIAT Panda und um 17:30 Uhr war ich am Etappen-Hotel – glückliche Fügung!

Ich hatte viel Zeit, alleine Nachzudenken und der ausgesprochene Impuls hat mich begleitet.
Wo sehe ich mich als Teil eines Ganzen, und wo würde ich fehlen, wenn ich wegbräche?

Mit Blick auf meine heutige Reise habe ich erfahren dürfen, wie gut verschiedene ‚Organisationen‘ und deren Diener dafür sorgen, dass Vieles funktioniert und ich mich derer Unterstützung bedienen darf, auch wenn verschiedene Wege alles andere als geradlinig verliefen.
Der Volksmund behauptet ja, jeder sei zu ersetzen. Das mag ja auch in funktionalen Bereichen zutreffen. Wenn ein Zahnrad im Getriebe defekt ist, dann wird es eben instandgesetzt oder schlicht ersetzt/ausgetauscht.
Doch da gibt es auch diese andere Ebene, die nicht so einfach zu beschreiben ist und ‚brutal‘ in die Gefühlswelt einschlagen kann. Die kann positiv wie auch negativ besetzt sein, und manche Menschen tun mir einfach unbeschreiblich gut, doch ihren Verlust möchte ich mir nicht vorstellen müssen.
Ja, es gibt Menschen, die sind mir sehr wichtig, auf sehr persönlicher Ebene, wenn denn dies das richtige Wort ist. Diese Blickrichtung kann ich gut einnehmen. Wer ist mir lieb und wichtig – in welcher Beziehung auch immer. 

Doch WO oder WEM würde ich fehlen, wenn ich nicht mehr dabei wäre? Wem stehe ich so nahe, dass man mich nachhaltig vermissen würde?

In letzter Zeit habe ich meine Haltung verändert und ich versuche, aus „Trauer“gedanken positive „Dankes“gedanken zu formulieren, im Sinne von „Danke für unsere Zeit!“.
Und so versuche ich, mit mir und meinem Umfeld ehrlich zu sein. Und wenn ich dann doch einmal gehe, möchte ich DAS mir sagen dürfen: „Das ist mein Weg und ich bin dankbar dafür, dass Du Teil dessen bist und bleibst.“
Doch möchte ich an dieser Stelle diesen Eintrag positiv beschließen:
Herzlichen Dank dafür, dass ich ein Teil von Euch sein darf und ihr mich wieder ‚eingegruppt‘ habt.

Mike

 


13. Tag – Freitag, 26.06.2026
Hotel Grimsel, abends ca. 22 Uhr

Als hätte ich geahnt, welches Thema beim Nachtickern auftaucht.
Was ist Pilgern mit PS für mich? Was ist Pilgern?

Pilgern bedeutet Innenschau und Loslassen/Zurücklassen des Alltags, während man körperlich unterwegs ist. Eine bewusste Anspannung und Entspannung mit der Intention, der Seele eine neue Erfahrung zu ermöglichen. Im besten Fall führt die körperliche Erschöpfung zu einer sehr tiefen, geistigen, spirituellen Erfahrung. Man fühlt sich beseelt, getragen, voller Leichtigkeit und sprudelt über.

Korsika liegt nun hinter uns. Morgen werden wir in Deutschland ankommen und in den Gesichtern meiner Mitpilger spiegelt sich meine Erschöpfung wider. Das Beseelte fehlt. Und damit die geistige Erfahrung. Dabei heißt es doch bei Pilgern mit PS: Erfahrungen für Gashand, Geist und Seele.

Die Gashand hat viel gesammelt, vielleicht sogar zuviel. Zwischen Kurven und Organisation ist ein Teil hinten runtergefallen, der doch eigentlich der wichtigste Teil sein sollte. Darum fahren die Menschen bei Pilgern mit PS mit, weil sie mehr wollen als nur Kurven fahren. Es gab eine zu große Spanne ohne Nachtickern. Wir haben uns zu zweit vorm Schlafengehen ausgetauscht, aber das ist nicht das Gleiche. Ohne Tourguides nachzutickern ist nicht mit jeder Gruppe möglich. Es braucht jemanden, der den Raum hält, der einen Anstoß gibt, um in tiefgründige Gespräche einzutauchen. Jemanden, der das Gespräch ein bisschen lenken kann. Ich verstehe unter Nachtickern nicht ein wiederholtes Aufzählen, was alles nicht so gut funktioniert hat, was beim Fahren aufgefallen ist, wie erschöpfend die 30°C sind, usw. … Und ich habe mich gestern geweigert, so ein Gespräch erneut zu führen.
Ich bin dieser stressigen Stimmung so müde. Meine Seele ist hungriger als vorher, mein Geist besteht aus Fragezeichen. Bin ich hier noch richtig? Liegt es an mir? Geht es nur mir so?

Im Gedicht heißt es: ‚Kein Mensch ist eine Insel.‘
Meine Interpretation ist, dass wie alle Teil eines Ganzen sind. Auf der Insel habe ich mich wie eine Insel gefühlt. Allein und abgegrenzt. Traurig und unberührt von der Schönheit um mich herum. Erfüllt von Schwere, statt von Leichtigkeit. Es auszusprechen und aufzuschreiben war ein guter, erster Schritt.
Heute bin ich in leichterer Stimmung aufgewacht und habe einen Denkanstoß bekommen, dass in jeder Krise eine Einladung liegt, zu wachsen. Erst wenn man mit dem Herzen sieht, kann man die Antworten des Universums sehen.

Der Zündfunke heute: Was kann ich zu einem guten Tag beitragen?
Kann ich mich selbst auf Null stellen, die Vergangenheit vergangen sein lassen und neu beginnen? Einfach nur heute? Einfach nur im Jetzt sein? Gerade scheint es mir unmöglich.
Die Hitze bringt mein Hirn zum Kochen. Ich will einfach nur, dass es aufhört, dass ich ankomme. Selten habe ich mich so sehr auf Zuhause gefreut. Vielleicht fahre ich morgen ganz früh nach Hause, dann kann ich vorm Arbeiten auch einmal entspannt ausschlafen.

Beim heutigen Nachtickern kippen wir wieder ins Unspirituelle, aber ich habe heute nicht die Energie wie gestern, ein lautes Stoppschild zu sein. Ich stehe auf und ziehe mich zurück, wie ich gestern angedroht habe.

Conny erzählt ihrer Gruppe gerade, dass sie morgen durch den Schwarzwald fährt und triggert mich damit. Ich denke an letztes Jahr im Schwarzwald und die letzte halbe Stunde heute. Das sind genau die Kurven, die ich liebe.
Aber da morgen ein paar Pilger vorm Frühstück nach Hause aufbrechen, biete ich an, das Tagebuch als Gute-Nacht-Geschichte zu lesen.

Ich wünsche Euch eine gute Nacht!

AnneB

 


14. Tag – Samstag, 27.06.2026
Schmitten im Taunus

Beim Hotel Ochs fühlen wir uns schon fast zu Hause angekommen – und dann überrascht uns auch noch unser Lieblings-Diakon mit einem kurzen Besuch.
Aber bereits gestern Abend im Schwarzwald kommen Heimat- und Abschiedsgefühle auf – haben wir doch drei Länder durchfahren und diesen eigenen kleinen Kontinent: Korsika.
Wohl kaum einer hätte diese Reise ohne die Gruppe gemacht und geschafft. Die Fahrtechnik wurde (zumindest für die Fahrer) auf ein neues Level gehoben – doch der Respekt bleibt.
Endlich nach all der Anstrengung nach Hause – aber warum ist die Reise schon vorbei?
Wir haben so viel gesehen und erlebt – aber wann genau und wo war das eigentlich?
Und – ist das noch Pilgern, wenn der Kopf vor lauter Anstrengung gar nicht frei werden kann?

Wir machen uns auf die letzte gemeinsame Etappe. Drei Mitpilger verlassen uns am frühen, kühleren Morgen – sie müssen für Termine schneller zu Hause sein.
Die lange Etappe führt über Landstraßen, einige kleinere Feld- und Waldwege und über die Autobahn. Es werden bis zu 43°C gemessen.

Mein durchgegartes Gehirn weiß nur:
Korsika 2026
– hammeranstrengend – einzigartige Landschaften und Tierbegegnungen – Mega-Ausblicke –
Eine Reise, die man gemeinsam erlebt haben muss, um sie zu verstehen.

Und ich freue mich auf zu Hause, um das Erlebte zu verarbeiten und zu sortieren.
Allen anderen wünsche ich dasselbe und eine gute, sichere Heimreise

Daniela

 


15. Tag – Sonntag, 28.06.2026
Hirschberg

Wir treffen uns zum letzten Zündfunken der KorsikaTour 2026 im Innenhof des Kurhotel Ochs. Ein letztes Mal ein Helmkreuz legen, das Tagebuch verlesen, Texte und Zündfunken ausgeben. Mit dem heutigen Impuls – „Bleibt offen für die Begegnung mit eurem Engel“ – beginnt etwas, das sich wie ein leiser Übergang anfühlt. Dieser Satz öffnet einen Raum, in dem man sich innerlich auf das nach Hause kommen vorbereitet: Die Tour ist fast vorbei, die Gruppe steht zwischen „noch unterwegs“ und „gleich zu Hause“. Es ist ein Moment, in dem man spürt, dass etwas zu Ende geht, aber noch nicht ganz vorbei ist. Ein Zwischenraum, in dem man sich sammelt, dankbar wird, leiser wird.

Dann ist es so weit: „Möge die Straße…“ leitet den Abschied ein. Nach sechzehn Tagen unterwegs fällt es schwer, den gemeinsamen Rhythmus zu verlassen – auch wenn der Weg nach Hause innerlich längst begonnen hat.

Für mich bedeutet dieser letzte Tag auch eine Entscheidung: Ich fahre mit Matthias und Ralf auf schnelleren Straßen heimwärts. Vielleicht war es zu schnell, denn irgendwann verabschieden sich die beiden, um wieder kleinere Wege zu suchen. Nach zwei Wochen engster, kurviger Straßen spüre ich, wie gut es tut, auch wieder die andere Seite des Motorradfahrens zu erleben: das schnelle, freie Fahren – ohne Abgründe, aber auch ohne die spektakulären Aussichten, die uns begleitet haben. Um 13:14 Uhr erreiche ich nach 4125 Kilometern wohlbehalten mein Zuhause und meine Liebsten.

Rückblickend war diese Tour eine, die ich so nicht erwartet hatte. Sie war geprägt von großer Hitze, beeindruckenden Strecken, Ausfällen und spontanen Planänderungen, die uns als Gruppe immer wieder herausforderten. Wir mussten reagieren, neu sortieren, improvisieren und gemeinsam Lösungen finden.             
Für mich persönlich war diese Reise ein Beweis: Ich kann es noch. Ich kann mich auf die Hitze einlassen, die körperlichen Anforderungen annehmen und bewältigen. Doch da war unter dem Helm auch der leise Gedanke: Will ich solche Touren in Zukunft weiterhin fahren?

Vielleicht lag es an den unvorhergesehenen Situationen, vielleicht daran, dass das Nachklingen der Tage, die Gespräche über den „Zündfunken“ und die kleinen besonderen Momente manchmal zu kurz kamen.

Trotzdem bleibt: Es war eine gute Erfahrung. Eine, die ich nicht missen möchte. Eine, die zeigt, wie viel Kraft in einer Gruppe steckt, die sich gegenseitig trägt, wenn es nötig ist, und die gemeinsam lacht, wenn die Straße wieder frei wird und der Blick weit.

Was nach der Rückkehr besonders spürbar ist, ist Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass wir alle gesund und heil zu Hause angekommen sind – trotz Hitze, Pannen und all der Herausforderungen, die das Motorradfahren mit sich bringt. Dankbarkeit dafür, dass jede und jeder seinen Teil dazu beigetragen hat, dass wir als Gruppe zusammenbleiben konnten: fahrend, suchend, improvisierend, manchmal auch einfach aushaltend.

Für unsere Familien und Freunde bedeutet das sichere Ankommen auch ein Innehalten. Das gedankliche Dabeisein, die unterstützende Aufmerksamkeit und all die leisen Gedanken und Gebete, die uns auf der Tour begleitet haben, dürfen nun wieder zur Ruhe kommen. Durch LocaToWeb konnten sie und andere Interessierte den Weg mitverfolgen, verstehen, wo wir gerade waren, und ein Stück weit mitreisen. Es tut gut zu wissen, dass der Moment des Wiedersehens ein stilles „Gott sei Dank“ in sich trägt. Dieses Gefühl, nach intensiven Tagen wieder gesund in vertraute Räume zu treten, ist ein Geschenk.

Danke an alle, die organisiert, mitgetragen, mitgedacht und mitgefahren sind. Ihr habt das Fahren, die Begegnungen und den Besuch verschiedener Orte zu etwas Besonderem gemacht.
Der Zusammenhalt hat gezeigt, wie stark Pilgern mit PS sein kann – und wie gut es tut, am Ende gemeinsam und wohlbehalten wieder anzukommen.

Bleibt offen für die Begegnung mit eurem Engel. Vielleicht zeigt er sich auf der Straße, vielleicht im Gespräch, vielleicht in stillen Momenten. Dieser Zündfunke darf weitergehen.

WolfgangH

 

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