3. Tag – Dienstag, 16.06.2026
Auf dem Weg nach Korsika!
Unser Zündfunke heute morgen regt uns an, an diesem Reisetag einmal Begegnungen bewusst wahrzunehmen.
Nachdem wir unseren Reisesegen empfangen haben, sitzen wir auch schon in den Sätteln und rollen los. Es geht direkt in die dicht bewaldete Bergwelt um Druogno auf winzig schmalen, dreidimensional gewundenen Sträßchen hoch hinaus auf lichte Höhen und tief hinab in enge, düstere Täler mit grobgerölligem Grund – ein interessanter und reizvoller Gegensatz zu den zahlreichen Passstraßen des gestrigen Tages. Die hatten mich sehr lange beansprucht, weil ich beim Freifahren vom rechten Kurs abkommend erst spät in unserer Bleibe ankam.
Als ich schon ein wenig des Kurbelns müde einen der letzten Pass-Tunnel durchfuhr, wehte mir die warme Luft des näherrückenden Südens entgegen und trug mir einen süßlich-schweren Duft in die Nase – zunächst nicht zuzuordnen und eher unangenehm, etwas an Verwesung erinnernd. Aber nach den knapp 10°C auf den diversen Passhöhen war mir die Wärme willkommen und der Rest dann nicht so wichtig, zumal die Nase solche latenten Düfte ja recht schnell ausblendet.
Heute dann auf den ersten Kilometern erkannte ich erst die Quelle dieses Duftes – unzählige junge & alte, kleine & große, in voller Blüte stehende Edelkastanien, die hier die Landschaft bereichern. Deren Blüten verströmen über mehrere Wochen einen sehr schweren, sehr süßen, intensiven Duft, der in der Insektenwelt offenbar sehr beliebt ist, bei uns Menschen allerdings widersprüchliche Assoziationen wachruft. Wie dem auch sei – es ist eine Art ‚innere Begegnung‘, nämlich das Zusammentreffen einer Duft-Erinnerung mit einem Pflanzen-Bild. Und diese Begegnung führt zu einer „Erkenntnis“.
Nach einigen schönen Runden durch diese Landschaft blieb uns dann aus geografischen Gründen die Querung der Po-Ebene nicht erspart; eine Landschaft mit schnurgeraden Straßen, sehr wasserreich und flach wie ein Pfannekuchen, scheinbar bestens für den Reisanbau geeignet – aber eben nicht zu Globalisierungszeiten. Wir sehen zwar viele bebaute Reisfelder und können das Getreide riechen, aber wir sehen auch viele leerstehende und zerfallene Verarbeitungsbetriebe, Gehöfte und Wohnhäuser, ganz offenbar kennt man auch hier den Begriff des ‚Strukturwandels‘.
Großes Aufatmen dann, als wir den südlichen Rand der Po-Ebene und damit wieder hügelige und bewaldete Regionen erreichen – mit Obst- und Weinanbau, Nussbäumen und offensichtlich gut situierten Gehöften und Dörfern.
In einer Café-Bar machen wir wieder Rast, die wir uns bei zeitweise 33°C und nach zahllosen, öde langen 50er- und 70er-Zonen wohlverdient haben. Es gibt köstlichen Kaffee und köstliches Nusseis und die Wirtin gibt sich redlich Mühe, aus meinem eher unitalienischen Gestammel herauszuinterpretieren, was denn wohl unser Anliegen sei und letztlich hat sie es geschafft. Sie bleibt auch angesichts unserer umfangreichen Inanspruchnahme ihrer kleinen Terrasse freundlich und zugewandt. Die zweite menschliche Begegnung heute, die uns mit großer Freundlichkeit und viel Verständnis zur wohltuenden Abkühlung an einem Tag verholfen hat, der nicht nur thermisch, sondern zeitweise auch mental etwas zu hitzig war.
Wir befahren nun noch viele kleine, unglaublich gewundene Sträßchen, die als Höhenwege wunderschöne Ausblicke ins grüne, hügelige Umland bieten. Schließlich reift die Erkenntnis, dass die Zeit wohl doch knapp wird – gastronomische, astronomische, astrologische oder elektronische Probleme beim Navigieren führen zu zahlreichen Zwischenstopps, die die Nerven schwingen lassen – und schließlich haben wir den Fährhafen erreicht, bekommen von der an der Einfahrt wartenden Conny (DANKE!) die Fahrscheine inklusive letzter Anweisungen zugesteckt und können direkt an Bord fahren.
Dort bekommen wir im Gehen unsere Kabinenschlüssel und kaum ist der letzte Tropfen Duschwasser im Badetuch versickert, gibt´s auch schon ein opulentes Abendessen, was nach meinem Eindruck alle gut gebrauchen konnten.
Essen gut – alles gut. So hat auch dieser Tag, der in den Höhepunkt unserer Korsika-Erwartungsspannung kumulierte, ein gutes Ende gefunden.
MatthiasK












