15. Tag – Sonntag, 28.06.2026
Hirschberg
Wir treffen uns zum letzten Zündfunken der KorsikaTour 2026 im Innenhof des Kurhotel Ochs. Ein letztes Mal ein Helmkreuz legen, das Tagebuch verlesen, Texte und Zündfunken ausgeben. Mit dem heutigen Impuls – „Bleibt offen für die Begegnung mit eurem Engel“ – beginnt etwas, das sich wie ein leiser Übergang anfühlt. Dieser Satz öffnet einen Raum, in dem man sich innerlich auf das nach Hause kommen vorbereitet: Die Tour ist fast vorbei, die Gruppe steht zwischen „noch unterwegs“ und „gleich zu Hause“. Es ist ein Moment, in dem man spürt, dass etwas zu Ende geht, aber noch nicht ganz vorbei ist. Ein Zwischenraum, in dem man sich sammelt, dankbar wird, leiser wird.
Dann ist es so weit: „Möge die Straße…“ leitet den Abschied ein. Nach sechzehn Tagen unterwegs fällt es schwer, den gemeinsamen Rhythmus zu verlassen – auch wenn der Weg nach Hause innerlich längst begonnen hat.
Für mich bedeutet dieser letzte Tag auch eine Entscheidung: Ich fahre mit Matthias und Ralf auf schnelleren Straßen heimwärts. Vielleicht war es zu schnell, denn irgendwann verabschieden sich die beiden, um wieder kleinere Wege zu suchen. Nach zwei Wochen engster, kurviger Straßen spüre ich, wie gut es tut, auch wieder die andere Seite des Motorradfahrens zu erleben: das schnelle, freie Fahren – ohne Abgründe, aber auch ohne die spektakulären Aussichten, die uns begleitet haben. Um 13:14 Uhr erreiche ich nach 4125 Kilometern wohlbehalten mein Zuhause und meine Liebsten.
Rückblickend war diese Tour eine, die ich so nicht erwartet hatte. Sie war geprägt von großer Hitze, beeindruckenden Strecken, Ausfällen und spontanen Planänderungen, die uns als Gruppe immer wieder herausforderten. Wir mussten reagieren, neu sortieren, improvisieren und gemeinsam Lösungen finden.
Für mich persönlich war diese Reise ein Beweis: Ich kann es noch. Ich kann mich auf die Hitze einlassen, die körperlichen Anforderungen annehmen und bewältigen. Doch da war unter dem Helm auch der leise Gedanke: Will ich solche Touren in Zukunft weiterhin fahren?
Vielleicht lag es an den unvorhergesehenen Situationen, vielleicht daran, dass das Nachklingen der Tage, die Gespräche über den „Zündfunken“ und die kleinen besonderen Momente manchmal zu kurz kamen.
Trotzdem bleibt: Es war eine gute Erfahrung. Eine, die ich nicht missen möchte. Eine, die zeigt, wie viel Kraft in einer Gruppe steckt, die sich gegenseitig trägt, wenn es nötig ist, und die gemeinsam lacht, wenn die Straße wieder frei wird und der Blick weit.
Was nach der Rückkehr besonders spürbar ist, ist Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass wir alle gesund und heil zu Hause angekommen sind – trotz Hitze, Pannen und all der Herausforderungen, die das Motorradfahren mit sich bringt. Dankbarkeit dafür, dass jede und jeder seinen Teil dazu beigetragen hat, dass wir als Gruppe zusammenbleiben konnten: fahrend, suchend, improvisierend, manchmal auch einfach aushaltend.
Für unsere Familien und Freunde bedeutet das sichere Ankommen auch ein Innehalten. Das gedankliche Dabeisein, die unterstützende Aufmerksamkeit und all die leisen Gedanken und Gebete, die uns auf der Tour begleitet haben, dürfen nun wieder zur Ruhe kommen. Durch LocaToWeb konnten sie und andere Interessierte den Weg mitverfolgen, verstehen, wo wir gerade waren, und ein Stück weit mitreisen. Es tut gut zu wissen, dass der Moment des Wiedersehens ein stilles „Gott sei Dank“ in sich trägt. Dieses Gefühl, nach intensiven Tagen wieder gesund in vertraute Räume zu treten, ist ein Geschenk.
Danke an alle, die organisiert, mitgetragen, mitgedacht und mitgefahren sind. Ihr habt das Fahren, die Begegnungen und den Besuch verschiedener Orte zu etwas Besonderem gemacht.
Der Zusammenhalt hat gezeigt, wie stark Pilgern mit PS sein kann – und wie gut es tut, am Ende gemeinsam und wohlbehalten wieder anzukommen.
Bleibt offen für die Begegnung mit eurem Engel. Vielleicht zeigt er sich auf der Straße, vielleicht im Gespräch, vielleicht in stillen Momenten. Dieser Zündfunke darf weitergehen.
WolfgangH












